Bloß keine Vergleiche!

Wie Sie wissen, liebe Leser, bin ich Finanzanalytiker von Beruf, rede mit Leuten über Geld und publiziere meine Kolumne seit Beginn dieses Jahres hier im Internet. Was Sie aber (vermutlich) nicht wissen, ist die Tatsache, dass es in den Gesprächen oft gar nicht so sehr um Geld, sondern eher um Hilfe zur Selbsthilfe geht. So war’s auch vor wenigen Wochen, als mich ein Mann aus dem Rheinland besucht hat. Er ist 45 Jahre alt, verdient rund 100.000 Euro im Jahr und besitzt ein Vermögen von ungefähr 250.000 Euro. Das ist doch nicht übel – oder wie beurteilen Sie diese Zahlen? Wahrheit Der Mittvierziger wollte von mir wissen, wie er sein Vermögen „besser“ anlegen könne, um mehr Ertrag aus der Viertelmillion herauszuholen. Mir war aber nach wenigen Minuten klar, dass dieser Wunsch gar nicht das „wahre Problem“ des Besuchers war. Hier ging es um andere Dinge, wenn ich das so ausdrücken darf. Der Mann lebt in einer schwierigen Beziehung. Er ist von Kollegen umgeben, die alle einen Hauch mehr verdienen. Und er wohnt am Rand einer Großstadt zur Miete und kann sich kein Eigenheim leisten. Trotzdem ist er überzeugt, alles werde gut, sobald er „anständig“ verdiene und irgendwann Millionär sei. Was soll man dazu sagen? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe die Sorgen und Nöte des Mannes mehr als ernst genommen, doch ich muss Ihnen, falls Sie in ähnlichen Verhältnissen leben, in aller Deutlichkeit sagen, dass Vergleiche und Urteile die besten Voraussetzungen für seelische Krankheiten sind – vor allem dann, wenn es ums liebe Geld geht. Grenznutzen Sie kennen bestimmt den Begriff des abnehmenden Grenznutzens. Sollte das nicht der Fall sein, dann stellen Sie sich bitte folgende Situation vor. Sie sitzen im Auto und stehen bei Temperaturen von 37 Grad sechs Stunden im Stau, weil sich auf der Autobahn […]

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